Dipl.-Ing. FH Sabine Jansen Gebäudeenergieberatung
Naturdämmstoffe


Naturdämmstoffe

Energetische Qualität und Ökologie

Energetisch hochwertig erstellte oder sanierte Gebäude haben wegen ihres geringen Energieverbrauchs einen ökologischem Nutzen.
Die Verwendung ökologischer Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen ist ein weiterer Faktor. Bei der Wärmedämmung können Materialien gewählt werden, die selbst umweltverträglich sind und nicht bei ihrer Herstellung oder aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung Schadstoffe enthalten oder freisetzen, die entweder zum Treibhauseffekt oder zur Ozonzerstörung beitragen oder gesundheitsschädigende Auswirkungen haben. Wichtig, bei der Bewertung eines Baustoffes ist der Umwelteinfluss über den gesamten Lebenszyklus, die Schadstofffreiheit, das Emissionsverhalten, ebenso die Langlebigkeit.


Holzfaserdämmstoffe

Holzfaserplatten bestehen aus zermahlenen Holzfasern und eigenem Zellulosesaft. Sie bieten einen guten Schallschutz. Sie sind feuchtigkeitsempfindlich. Sie sind ausreichend und lokal vorhanden. Sie sind vollständig recyclebar und kompostierbar. Es gibt Holzfaserplatten für unterschiedliche Dämmzwecke.

Flexible Dämmplatten haben einen geringen Wärmeleitfähigkeitswert von 0,039 [W/(mK)]. Festere Dämmplatten haben einen Wärmeleitfähigkeitswert von 0,05 [W/(mK)].
Holzfaser-Unterdachplatten sind winddicht und wasserabweisend. Sie sind bituminiert oder mit Naturharzen behandelt, bleiben dabei diffusionsfähig. Man sollte darauf achten das das Produkt keine Kunstharze enthält.


Zellulosedämmstoffe

Zellulose wird aus Altpapier gewonnen. Am bekanntesten ist der preisgünstige Celluloseflocken-Einblasdämmstoff, der im Recyclingverfahren aus Tageszeitungen hergestellt wird. Die Flocken werden in Hohlräume von Dächern, Wänden und Decken eingeblasen. Es entsteht eine eine winddichte Wärmedämmung ohne Verschnitte. Die weichen Zellulosefasern sind dampfdiffusionsfähig, feuchtigkeitsausgleichend und gut schalldämpfend.
Es ist darauf zu achten, das die verwendeten Tageszeitungen nachweislich ohne Blei-Druckerschwärze sind. Das Einblasen der Flocken erfordert Erfahrung und sollte von einem speziell ausgebildeten Fachbetrieb ausgeführt werden. Beim Einblasen wird von den Fachfirmen eine Feinstaubmaske verwendet, weil viel Feinstaub frei wird. Im eingebauten Zustand steht Zellulosefaserdämmstoff aber mit der Raumluft nicht mehr in Verbindung. Für den Bewohner ist demnach mit keiner gesundheitlichen Gefährdung zu rechnen. Für den Brandschutz wird 8 - 12% Borax oder Borsäure zugesetzt.
Die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,040 [W/(mK)].

Zellolosedämmstoff
Dämmung einer Obersten Geschossdecke
Einblasdämmung aus Zellulosefasern

Schaumglas

Schaumglas wird aus aufgeschäumtem Glas, durch die Versinterung von Glas- und Kohlepulver hergestellt. Es ist ein wärmeisolierendes, sprödhartes Material, das als Formteil, in Platten und als Schaumglasbruch oder -splitt angeboten wird. Schaumglas ist geschlossenzellig, unverrottbar, wasserdampfdicht, feuchteunempfindlich sowie feuer- und druckfest. Es kann sehr gut zur Flachdachdämmung oder im erdberührten Bereich verwendet werden. Die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,040 [W/(mK)] - 0,055 [W/(mK)]. Schaumglasplatten sind teuer. Aus diesem Grund wird häufig die unökologische Perimeterdämmung aus extrudiertem Polystyrol eingebaut. Polystyrol ist ein Erdölprodukt, bei seiner Erzeugung sind verschiedene Gefahrstoffe beteiligt (Benzol, Ethylen, Styrol).
Der preisgünstigere Schaumglassplitt oder Schaumglasschotter eignet sich hervorragend als Dämmung unter der Gebäudesohle und als Flachdachdämmung. Die Wärmeleitfähigkeit der Schüttung beträgt 0,091 [W/(mK)]. Nachteile von Schaumglas: Der Energieeinsatz bei der Herstellung ist vergleichsweise hoch.

Schaumglasschotter
Schaumglasschotter

Hanfdämmstoffe

Dämmplatten aus Hanf bestehen aus Hanffasern, ggf. Beisetzungen von Flachs Wasserglas oder Soda. Um gute Dämmwerte zu erreichen haben die Dämmplatten meisst Polyesterstützfasern. Hanf wird in Mitteleuropa angebaut. Die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,040 [W/(mK)].
Daneben werden auch Hanfschäben als Dämmstoff eingebracht. Gehächselte Hanfgroßschäben sind robust und kaum verrottbar, wenn sie diffusionsoffen eingebaut werden. Sie werden geschüttet oder eingeblasen. Die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,050 [W/(mK)].
Hanf braucht nicht imprägniert zu werden, da er von natur aus Fungizid und antibakteriell ist.


Lein / Flachs

Flachsdämmplatten bestehen aus Flachsfasern und natürlichem Stärkekleber. Der Faserlein wird in Mitteleuropa angebaut. Zur Produktion des Flachsdämmstoffes werden Kurzfasern verwendet, die bei der Produktion von Leinen übrigbleiben. Für den Brandschutz werden Borsalze Wasserglas oder Ammoniumphosphate zugesetzt. Zum Teil werden den Dämmplatten Stützfasern aus Kunststoff beigesetzt. Flachs ist gut feuchtigkeitsregulierend und resistent gegen Verrottung und Ungeziefer. Durch Borsalz entsteht neben dem Brandschutz Resistenz gegen Schimmelpilze. Die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,040 [W/(mK)].

Korkdämmstoffe

Kork wird aus der geschälten Rinde der Korkeiche im Mittelmeerraum gewonnen. Es ist als Schüttungen oder expandiert in Platten erhältlich. Zum Teil wird Bitumen zur Imprägnierung beigesetzt. Kork ist resistent gegen Verrottung und gegen Ungeziefer. Es hat eine geringe Wasseraufnahme, bei längerer Nässe ist Pilzbefall möglich. Kork hat eine gute Wärmespeicherkapazität.Es eignet sich z.B. gut für Wärmedämmverbundsysteme. Außerdem kann er in Bereichen, wo mit erhöhter Luftfeuchtigkeit zu rechnen ist, wie z.B. auf Kellerwänden eingesetzt werden. Es wird auch Recyclingkork, beispielsweise aus Flaschenkorken, angeboten. Kork ist nachwachsend doch begrenzt verfügbar. Die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,040 - 0,55 [W/(mK)].

Korkdämmplatte

Stroh

Strohballenbau
Strohballenbau

Srohballen sind ein nachhaltiger, energieeffizienter und umweltschonender Baustoff. Die Strohballenbauweise, bei der die Umfassungswände aus Strohballen gebaut werden, wurde in den USA von den Farmern entwickelt. Sie hat seit langem auch in Deutschland und Europa ihren Anfang gefunden. Die Wärmeleitfähigkeit von Stroh mit einer Rohdichte von 90 kg/m³ beträgt 0,045 [W/(mK)]. So erreicht man mit einer Strohballenwand Passivhausqualität.

Nähere Informationen zur Strohballenbauweise finden Sie beispielsweise auf der Webseite des Fachverbandes Strohballenbau www.fasba.de

Kokosfasern

Kokosfasern werden in Rollfilzfvliesen angeboten. Die Kokosfasern sind mit Latex gebunden. Sie haben eine hohe Entflammbarkeit und werden mit Ammoniumsulfat oder Borsalz und Wasserglas imprägniert. Kokosfasern sind in großen Mengen verfüpgbar. In Indien und Sri Lanka werden überschüssige Kokosfasern verbrannt. Die weiten Transportwege schlagen in der Ökobilanz des Dämmstoffes Kokos allerdings negativ zu Buche. Die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,051 [W/(mK)].

Schilfrohrmatten

Schilfrohrmatten eignen sich hervorragend als Putzträger. Sie werden mit metallischen Drähten zusammengebunden. Sie sind feuchteresistent und haben keine Zusätze. Die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,055 [W/(mK)].

Dämmstoffe aus Wolle

Wolle ist ein sehr gut dämmender und feuchteausgleichender Dämmstoff. Ein Problem von Wolle als Dämmstoff ist der mögliche Mottenbefall! Daher wird Wolle chemisch ausgerüstet, Eulan z.B. ist ein Insektizid. Schädlings- und Brandprobleme werden mit Borsäure oder Harnstoffderivat begrenzt. Das Mottenschutzmittel Sulcofuron (Mitin ff) wird als "für den Menschen unbedenklich" eingestuft. Als Massendämmstoff ist Wolle weniger empfehlenswert da die Erzeugung weniger ertragreich ist. Wolle lässt zum Teil schlecht kompostieren, aufgrund der Zusätze, hier sollte man beim Kauf auf die Herstellerangaben achten. Die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,034 - 0,040 [W/(mK)].

Dämmung aus Wolle

Perlite-Dämmstoffe

Perlite-Dämmstoffe bestehen aus geblähtem vulkanischem Rohperlitgestein (Naturglas). Sie sind als Granulat für lose Schüttungen oder in Verbindung mit Bindemitteln als Platten erhältlich. Perlite ist schadstofffrei, umweltverträglich, unverrottbar und ungeziefersicher. Die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,045 - 0,070 [W/(mK)].

Flammschutzmittel in Naturdämmstoffen

Die Beigabe von Borax, Borsäure oder Ammoniumsulfat als Imprägnierung ist für einige Naturdämmstoffe erforderlich um Brandschutz und gleichzeitig Schutz vor Pilzen und Schädlingen zu erreichen. Die Substanzen reizen Augen, Haut und Atemwege, dies jedoch erst bei sehr hohen Konzentrationen. Durch Borate werden die Dämmstoffe nicht mehr deponiefähig und die Entsorgung wird zum Problem. Das Borat würde in unzulässigen Mengen in das Deponiewasser ausgewaschen. Hersteller erklären sich jedoch häufig bereit, ihren Dämmstoff wieder zurückzunehmen. Mit Ammoniumsalzen behandelte Dämmstoffe sind prinzipiell kompostierfähig.

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